Dummbairische Symbolpolitik

»Wir lehnen solche Fixerstuben ab.« Der bayerische Umwelt- und Gesundheitsminister Markus Söder hat in demonstrativ drastischer Wortwahl dem Antrag der Stadt Nürnberg, Drogenkonsumräume zuzulassen, eine Absage erteilt.

via Söder will keine «Fixerstuben».

Markus Söder ist halt nicht der hellste. Dafür wird er ja auch nicht bezahlt gewählt. Er ist Ausdruck von “gesundem Volksempfinden”, und darin ist er sehr gut – ob er nun gegen Migranten wettert oder das Sandmännchen verteidigt. Das bringt ihm Kritik, aber anscheinend auch Stimmen. Traurig ist nur, dass der bairische Holzkopf Franke ist.

Update: Zur Erschießung eines mexikanischen Kartellangehörigen konstatiert burks ganz zu Recht:

Wie ich schon irgendwo und irgendwann sagte: Mainstream-Medien heisst, das gesunde Volksempfinden als Journalismus auszugeben und dumpf und unkritisch alles nachzuplappern, was andere auch schreiben.

Polizeigewerkschaften …

… sind ja quasi synonym zu Unsinnsmaschinerien. Ich frage mich immer wieder, wieso unsere Exekutive eine Lobbyorganisation braucht. Um ihre Schäfchen – die Garanten des Rechts – vor Bürgerrechten zu beschützen? Nunja, was ein DPG’ler nun wieder von sich gibt, spottet jeder Parodie:

Nach Einschätzung der Deutschen Polizeigewerkschaft hat das Sicherheitsproblem bei der Loveparade möglicherweise schon mit der Fehleinschätzung der Teilnehmerzahl begonnen. Der Veranstalter habe 500.000 Menschen angemeldet, sagte Erich Rettinghaus, NRW-Landesvorsitzender der Gewerkschaft, am Sonntagabend im ZDF. Die Stadt habe seiner Kenntnis nach aber nur 250.000 Teilnehmer für das Gelände genehmigt. Man sei davon ausgegangen, dass sich die restlichen Partygänger an anderen Orten der Stadt verteilten, erläuterte Rettinghaus.

via 19 Tote auf der Loveparade: Staatsanwälte beschlagnahmen Unterlagen – Katastrophen – Gesellschaft – FAZ.NET.

Loveparade-Todesfälle

Nach der Tragödie hat der Panikforscher Michael Schreckenberg das Sicherheitskonzept verteidigt, an dem er selbst beteiligt war. Der Tunnel, in dem es zur Massenpanik gekommen war, sei groß genug ausgelegt gewesen, sagte der Professor am Samstagabend im Westdeutschen Rundfunk. Und der Tunnel sei mehrfach gesperrt worden, wenn zu viele Menschen in ihn hineingedrängt seien.

Nach Angaben des Experten waren bei der Erstellung des Konzepts viele mögliche Notfälle durchgespielt worden. Es gebe aber immer Menschen, die sich nicht an die Spielregeln hielten. Laut Schreckenberg hatten kurz vor dem Unglück einzelne Jugendliche ein Gitter überrannt und waren eine ungesicherte Treppe hochgelaufen. Einige von ihnen seien dann von der Treppe aus einer Höhe von acht bis zehn Metern nach unten gestürzt. Dass „Menschen von oben herunterfallen“ sei ein Fall gewesen, der überhaupt nicht in dem Sicherheitsplan vorgesehen gewesen sei, betonte Schreckenberg.

via Duisburg: Mindestens 18 Tote bei Massenpanik auf Loveparade – Katastrophen – Gesellschaft – FAZ.NET. (Hervorhebungen von mir.)

Erinnert mich irgendwie an die Idee, keine Notaufnahmen zu bauen, weil es bei korrekter Befolgung der Regeln (welch schön deutsches Deutsch!) weder Verkehrs- noch Haushaltsunfälle geben darf. Und was nicht sein darf …

Wann werden wir endlich laizistisch?

Mixa erhält jedoch nicht nur weiter Steuergelder in Höhe von 5.400 Euro monatlich brutto, also 70 Prozent seines früheren Bischofsgehalts, wie das bayerische Kultusministerium bestätigte, sondern auch eine Aufwandsentschädigung als früherer Militärbischof. Die Kosten für den Alterswohnsitz trägt wohl die Kirche und damit auch zum Teil alle Steuerzahler. Es wird Mixa also wahrscheinlich nicht an reichlich Wein, gutem Essen, schönen Reisen und teurem Mobiliar fehlen.

via Telepolis knews: Ex-Bischof Mixa erhält Pension von 5.400 Euro monatlich – aus Steuergeldern.

Es wird Zeit für eine konsequente Trennung von Staat und Kirche. Letztere soll einfach als wirtschftlicher Akteur und meinetwegen noch als gemeinnütziger Verein auftreten, aber damit hat sich’s. Keine vom Staat eingetriebenen Mitgliedsbeiträge mehr, keine Subventionen für interne Strukturen.

Gemeinfreiheit und deutsches Recht

In Brasilien wird das Versehen gemeinfreier Inhalte mit DRM-Zugangssperren bald strafbar: Ein neuer Urheberrechtsgesetzentwurf der dortigen Regierung verbietet in Artikel 107 nämlich technische Sperren vor gemeinfreien Werken. Bei urheberrechtlich noch geschützten Inhalten wird derjenige bestraft, der mit dem DRM eine rechtmäßige Nutzung be- oder verhindert. In der 2003 von Brigitte Zypries vorgenommenen deutschen Umsetzung der WIPO-Urheberrechtsverträge fehlen solche Sanktionen bisher.

via TP: 27.390 Euro Zugangsgebühr für gemeinfreie Texte.

Die lateinamerikanischen Staaten sind also weiter als wir. Danke, deutsche Politik!

Warum vertrauen Deutsche der Polizei?

Einer aktuellenIpsos-Studie nach misstrauen die Deutschen derzeit am meisten der Regierung, den Banken und den Kirchen. Relativ großes Vertrauen genießt dagegen die Polizei. Dass übermäßiges Vertrauen in letztere Institution allerdings unberechtigt sein könnte, zeigte unlängst ein Bericht von [local] Amnesty International, der den staatlichen und gerichtlichen Umgang mit Behörden-Omerta und Polizisten-Falschaussagen scharf kritisiert.

via TP: Antidot zu Korpsgeist-Omerta und Drohparagrafen.

Polizisten sind Menschen, und zwar Menschen, die a) nach (durchaus physisch-direkter) Macht streben – sonst würden sie keine Cops -, und b) diese Macht auch bekommen. Es ist nur sehr natürlich, dass sie in besonderem Maße “gefährdet” sind, Machtmissbrauch zu betreiben. (Hinzu kommt, dass die allermeisten Streifen- und sonstigen Polizisten, mit denen man es auf der Straße und im Alltag zu tun bekommt, kaum zu den gebildetsten Zeitgenossen zählen dürften, sonst würden sie einen anderen Posten bekleiden.) All das gilt sinngemäß sicher auch für andere Teile der Exekutive, namentlich z.B. Soldaten. Was sollte daraus folgen? Möglichst strikte Überwachung dieser Personenkreise und die Pflicht zu jederzeitiger eindeutiger Identifikation, gerade auf Demonstrationen. Das Gegenteil ist aber der Fall (siehe Artikel oben). Und ebenfalls müsste daraus ersichtlich werden, dass der Polizei eher mit Misstrauen begegnet werden sollte. Auch hier verhalten sich die Deutschen aber irrational.

Ein Rundumschlag

Ich bin lange kaum zum Bloggen gekommen – mea culpa. Daher muss ich jetzt einiges nachholen, und zwar in einem Sammelartikel. Von Medien und Gewalt wird die Rede sein, von meinem Geburtstag und von Magic. Das Ganze kommt mal ganz komfortabel in Listenform.

  • Bei dasmagazin lesen wir eine hübsche Zusammenstellungen von Meinungen zum Streit von Inhalt und Form. In Kurzform meine Meinung: Solange Verlage schlecht aufbereiteten Mist in Buchform auf den Markt werfen und es gleichzeitig ausgezeichnete digitale Inhalte gibt, geht die Entscheidung klar zu Gunsten des Digitalen aus. (via textundblog)
  • Ich habe gerade Pizza bestellt – anlässlich meines Geburtstags sozusagen, zu dem ich neben Kaffee und Zigarren auch Bücher und natürlich Geld bekam. Lukullische Zeiten also. In der TP lasen wir kürzlich etwas zu Genussmündigkeit: “Warum wir so unglaublich viel Essen in den Müll werfen und den Konsumenten in fettmachenden Umgebungen der qualitätsvolle Umgang mit Nahrungsmittel beinahe vollständig verloren gegangen ist.”
  • Klar war es während der WM dämlich, dauernd auf dem neuerwachten deutschen Patriotismus und seinen Gefahren herumzureiten. Wer die WM braucht, um zu sehen, dass in vielen deutschen Köpfen noch immer Rassismus und Nationalismus vorherrscht, muss blind sein, bei all dem latenten Antisemitismus und der sogenannten “Ausländerfeindlichkeit”. Vom Finalspieltag haben wir diese hübsche Analyse von Rüdiger Suchsland, ebenfalls in der TP: “Die Hooliganisierung der Gesellschaft.”
  • Apropos Hooligan: Die Gewaltforschung erfindet ja immer wieder neue Konzepte, Kausalketten, Präventionsmaßnahmen. Eine der besten Analysen zum Thema Gewalt ist allerdings zwölf Jahre alt und von burks. Nachzulesen hier. Probe:
  • “Nichts sagt mehr über eine Gesellschaft aus als die Art und Weise, wie sie über Gewalt redet. Der Gewalt-Diskurs ist eine Meta-Theorie, mittels derer unterschiedliche Milieus darüber kommunizieren, wie sie andere Milieus sehen. Jedes Milieu hat Lobbyisten, Experten, die vorgeben, den verschlüsselten Kode der anderen Milieus verstehen zu können.”
  • Auch ich bin für das “Ende der Präsenzuni“, dann gehe ich weniger Dozenten auf die Nerven und muss weniger oft ein schlechtes Gewissen haben, weil mir Dinge wichtiger sind als Uni. (Naja, das schlechte Gewissen habe ich mir lange abgewöhnt, aber sei’s drum.)
  • “Die gelungensten Eltern machen zwanzig ernsthafte Fehler pro Tag.”/”Geh ruhig Kaffee trinken, oder mach etwas Vernünftiges mit deinem Leben. Aber sei nicht immer bei den Kindern. Die kriegen viel, viel, viel zu viel Aufmerksamkeit.” – Ein sehr interessanter FAZ-Artikel über den Therapeuten Jesper Juul und moderne Erziehung.
  • Und zum Schluß noch eine Pflichtlektüre: Dirk Baecker im FAZ-Interview über mediale Überforderung. Lesebefehl!

Lynchstimmung gegen Bahnpersonal

Ähnliche Probleme wie in Deutschland gab es in Schweden. Hier kam in einem Zug angeblich “Lynchstimmung” gegen das Personal auf und ein Fahrgast drückte eines der nicht zu öffnenden Fenster heraus, um einem Kind Luft zu verschaffen.

via TP: 50 Grad aus Sparsamkeit?.

Wunderte mich gar nicht, käme es dazu auch vermehrt in Deutschland. Das DB-Personal ist oft genug unfreundlich und obrigkeitlich (sie sollten keine Uniformen tragen, das pusht nur ihr Ego und sieht zudem schrecklich aus), der Service allgemein – jedenfalls in bayerischen Regionalzügen – unter aller Sau, Informationen werden nicht weitergereicht (teilweise schon nicht einmal ans Personal selbst, geschweige denn an die Fahr”gäste”). Ich persönlich jedenfalls war schon öfter geneigt, in eine “Lynchstimmung” zu verfallen.

sirlol – FAQ

Wie beweise ich, dass ich einen Erfolg wirklick abgeschlossen habe?
Du kannst einen Erfolg entweder mit einem entsprechenden Bild oder einem Video beweisen.
Wie muss das Bild/Video aussehen, damit mein Erfolg akzeptiert wird?
Das wichtigste ist, dass dein Gesicht oder dein Benutzername nicht dein echter Name auf dem Bild/Video gut zu erkennen ist. Deinen Namen kannst du z.B. ausdrucken, auf ein Blatt Papier schreiben oder dir auch einfach irgendwo mit einem Stift auf deinen Körper schreiben.

via sirlol – FAQ.

Wer sich gerne virtuell produziert, gleichzeitig aber (auch noch so kleine) RL-Erfolge vorzuweisen hat, findet jetzt die Web 2.0-Application seines Herzens: Bei “SirLol” kann man “Erfolge” (etwa: Mobil – Zeige was für ein geniales Smartphone du hast) per Foto “beweisen” und bekommt dann Punkte dafür gutgeschrieben. Wozu das dient? Vermutlich Daten sammeln und Nutzer akquirieren.

(Danke an Domi für den Hinweis.)

Den Deutschen ist nicht zu helfen


(Quelle: FAZ)

Ich habe niemals einen schlechteren Web-Browser verwendet als den IE. Ich bleibe FF-Fan, für manche Sachen nutze ich auch Opera – aber Plugins gibt’s halt doch mehr für den FF. Lynx hat durchaus seine Vorzüge, immerhin kann er kein JS interpretieren (und ja, ich sehe das als Vorteil). Auf gut deutsch: Wer noch den Internet Explorer nutzt, verwendet auch Windows und frisst unabsichtlich kleine Kinder.